frauJEDERmann in den Medien

Die Neu-Inszenierung des Jedermann mit einem Gender-Switch brachte viel Resonanz in den Medien.

Hier ein Auszug der Beiträge 2021:

„Marcus Marschaleks Truppe punktet mit viel Musik, tollen Lichteffekten und manch charmantem Einfall: So wird etwa die moderne Tischgesellschaft ins Pausengeschehen integriert. Gott wird von den Armen gespielt, die ihrer Peinigerin verzeihen. Dennoch wird hier kein zweites Mal gelebt – sterben muss auch Frau Jedermann.“
Kurier 8.9.2021 (Peter Temel)

„Jedermann wieder zu Hause! frauJEDERmann ist nahe am Original und zugleich modern inszeniert.“
Krone 8.9.2021 (Philipp Stewart)

„Die Unternehmung funktioniert glänzend. Die oft hölzernen, pseudoaltertümelden Knittelverse werden deutlich und natürlich gesprochen, das hat Sogwirkung.“
News 37/2021 (Susanne Zobl)

„Weiblich gelesen wird aus dem reichen Prasser eine tüchtige Geschäftsfrau, die überall nach dem Rechten sieht. Was sie falsch macht, zeigt sich erst in der Konfrontation mit ihrer eigenen Endlichkeit. Sie schaut immer, dass Dinge funktionieren und vergisst dabei, den Menschen auf der Herzensebene zu begegnen.“
Die Presse 1.9.2021 (Teresa Schaur-Wünsch)

„Ein spannendes Theaterprojekt bringt heuter „Jedermann“, 110 Jahre nach seiner Entstehung, als erfolgreiche, selbstbewusste Geschäftsfrau auf die Bühne.“
Niederösterreichische Nachrichten, August 2021

„Die weibliche Seite Jedermanns.“
Bezirkszeitung 1.7.2021

„Ein spannendes Theaterprojekt bringt heuter „Jedermann“, 110 Jahre nach seiner Entstehung, als erfolgreiche, selbstbewusste Geschäftsfrau auf die Bühne.“
Niederösterreichische Nachrichten, August 2021

„Marcus Marschalek ging das Mammutprojekt anders an und drehte die Geschlechterrollen um. Das klappt in der Umsetzung erstaunlich gut.“
Der Sonntag, 26.8.2021

Endlich auf der Bühne

(Marcus Marschalek, 10. Sept. 2021)

Wie wird es sein, endlich auf dem Platz zu Spielen, an dem der Text vor 110 Jahren geschrieben wurde? Es war überwältigend! Wir haben frauJEDERmann nach drei Jahren Vorbereitungszeit auf die Bühne gebracht. Alle unsere Vorstellungen waren ausverkauft. Unser Publikum war begeistert, die Presse gratulierte uns. Wir alle vom frauJEDERmann Team sind überglücklich!

Unsere Akteure am Wort

(Alexandra Kropf, 15. August 2021)

Tue Spannendes und Gutes und rede darüber. Ein Projekt wie frauJEDERmann braucht auch Öffentlichkeitsarbeit und die hat Alexandra Kropf für uns übernommen. Eifrig versucht sie, nach den Proben unserem großen Team Wortspenden zu entlocken. Viele von uns hat die lange Beschäftigung mit dem Jedermann verändert, hat einiges in unserem Leben bewegt. Hier sind ein paar gesammelte Statements unserer Schauspielerinne und Schauspieler zu den Fragen:

Was fasziniert heute am Jedermann?
Was ist das Spannende an der eigenen Rolle?
Was war die Motviation, mitzumachen?


Isolde Cronenberg, Mutter

Isolde Cronenburg steht als Mutter auf der Bühne. Sie sagt: „Als ich vom Projekt erfuhr, stand mein Entschluss mitzumachen sofort fest. Die Idee der Inszenierung – Geschlechtertausch, Spielort, etc. – fand ich toll.“


Alicia Eibensteiner, Teufelin

Alicia Eibensteiner bringt für die Teufelin jede Menge feuriger Energie auf die Bühne: „Die Teufelin fasziniert mich, weil sie eine Optimistin ist. Auch wenn sie sich bei Frau Jedermann geschlagen geben muss, glaubt sie an ihren nächsten Triumph. Ich lasse ihre Emotionen aufkochen bis zum endgültigen Ausbruch ihres wahren Selbst und der finalen Aufgabe ihres so fest geglaubten Sieges.“ Und was verbindet sie mit Rodaun? „Ich bin in Rodaun aufgewachsen! Die Bergkirche Rodaun ist ein sehr nostalgischer Ort für mich, weil ich regelmäßig zu den Kirchtagen dort war. Ich fühle mich sehr verbunden mit Rodaun und jedes mal wenn ich aus der Stadt mit der 60er Straßenbahnlinie die Brücke hinunter Richtung Kaiser-Franz-Josefstraße fahre, ist es ein zu Hause ankommen.“


Christian Engel, Zweiter Gast

Die Begeisterung für die Bretter, die die Welt bedeuten, wurden Christian Engel praktisch in die Wiege gelegt: „Meine Mutter und mein Vater wirkten in vielen österreichischen Spielfilmen mit, sie arbeiteten beim Rundfunk und unsere ganze Familie hat lange auch Haustheater gespielt.“ Christian Engel selbst spricht oft als Redner vor Publikum, als Schauspieler steht er nun das erste Mal auf der Bühne. Wer das Stück aufmerksam verfolgt, wird ihn gleich in mehreren Rollen entdecken, neben dem Zweiten Gast der Tischgesellschaft auch als Mann, der wohl einmal der Liebhaber von Frau Jedermann war.


Christine Erhard, Glaube

Christine Erhard ist von Kindesbeinen an vom Theater fasziniert: „Nachdem mich das Stück in Salzburg am malerischen Domplatz völlig in seinen Bann zog, bin ich glücklich als Glaube hier mitwirken zu dürfen. Ich finde es spannend, wie ein lasterhafter, vergnügungssüchtiger Mensch durch Erläuterung zu Gott findet.“


Stefan Martin Erhard, Gesell

Für Stefan Martin Erhard wird frauJEDERmann durch die vielen neuen Ideen zu einem „erfrischenden Bühnenstück – aufgeführt an dem denkbar würdigen Platz des Rodauner Kirchenplatzes, wo auch schon Hugo von Hofmannsthal verweilte. Es freut mich sehr, als guter Gesell mit Frau Jedermann durch dünn – und vielleicht – auch durch dick zu gehen ;). Die Rolle des Gesellen ist aktuell wie nie – wahre Freunde erkennt man nur in der Not …“

Melitta Fiala

Rodaun ist die ehemalige langjährige Wahlheimat von Melitta Fiala. Sie ist in mehreren Rollen zu sehen: „Tolle Szenen und Bilder sind im Entstehen. Der Reichtum der Gruppe – aus verschiedensten Lebenswelten zusammengewürfelte Menschen – birgt beachtliche Vielfalt.“

Andreas Fischer, Schuldner

Was fasziniert heute am Stück? Andreas Fischer, der als Schuldner zu sehen sein wird, ist überzeugt: „Es ist ein Stück, bei dem jedes Wort bewusst auf die Waagschale gelegt werden muss, daher schätze ich die Arbeit, das Stück ins Heute zu übersetzen.“


Julia Griessbach, Tanz

Julia Griessbach entwickelte die Choreografien für die beiden Tanz-Szenen bei frauJEDERmann. Die Leidenschaft für die Bewegung im Einklang mit der Musik entstand bei ihr ganz klassisch in der Tanzschule, sie hat sie seither nicht mehr verlassen. Bei frauJEDERmann steht der Tanz am Eingang des Stücks – Julia Griessbach beginnt, die DarstellerInnen setzen nach und nach ein. Sie erläutert dazu: „Die Choreografie des Intros fokussiert das Publikum auf die Bühne und übersetzt die Dramaturgie des Stückes in Bewegung. Die 2. Tanz-Szene kommt bei der Tischgesellschaft, aber anders als man denken möchte: Alle tanzen dasselbe, aber nicht zusammen, sondern für sich.“


Katharina Hauer, Frau Jedermann, Regie

„Das Spiel um Macht und Geld wird immer noch Männern zugeschrieben, aber heute buhlen auch Frauen um Macht und Anerkennung und sind längst nicht mehr nur die Liebchen“, sagt Katharina Hauer. Sie ist in doppelter tragender Funktion aktiv: im Regie-Team und als Frau Jedermann.: „Ich liebe es, in andere Rollen zu schlüpfen; mir Gedanken zu machen, was diese Person denkt und fühlt, den Weg der Figur in einem Stück authentisch nachzugehen.“


Johanna Hoblik, Frau Jedermann

Johanna Hoblik findet am Jedermann spannend: „Der ,Jedermann‘ wurde von Salzburg aus in die kleinsten, Theaterwinkel getragen. Deshalb finde ich die Produktion der frauJEDERmann überraschend wie faszinierend. Das Stück erfährt mit einer weiblichen Hauptrolle eine äußerst interessante und auch moderne Variante.“ Wie legt sie ihre Rollen an? „Mach die Augen zu, lass Dich fallen, spüre die Bewegung, um damit zu bewegen. Für mich ist es faszinierend, einen Teil der Hauptrolle verkörpern zu dürfen. Ich sehe die Frau Jedermann mit ausgeprägtem Willen, sie ist dynamisch und absolut weiblich, ein geschicktes Weibsbild voller Reize. Ich möchte fast sagen, die Buhlschaft wird zur Frau Jedermann.“

Anna Jakobson, Drittes Fräulein

Die Partygäste von frauJEDERmann wollen es lustig haben – mit dabei Anna Jakobson als Drittes Fräulein. „Sie ist eine selbstsichere Frau, die sich präsentieren kann und bei einem fröhlichen Fest ist sie gerne dabei.“ Woran sie nicht denkt: Das Feiern kann schnell zu Ende gehen. „Das Leben ist ein Riesen-Geschenk ist, das habe ich auch selbst erfahren. Es ist wichtig, dem Zeit zu geben, was einem wichtig ist.“


Nela Jules, Frau Jedermann

Nela Jules hat den Jedermann vor vielen Jahren zum ersten Mal in Salzburg gesehen und war beeindruckt von der Inszenierung und der verwendeten Sprache: „Das Versmaß und die Eigenheit mancher Ausdrücke verlangen eine große Präzision beim Wiedergeben, was es für mich umso spannender macht.“

Sheila Feliciano Gsöllpointner, Drittes Fräulein

Für Sheila Feliciano Gsöllpointner trifft das Stück wichtige Aussagen: „Alles Leben hat dasselbe Ende. Bei Reichen und Armen. Es geht um Eitelkeit und Gier. Solidarität und Demut zählen aber mehr.“

Peta Klotzberg, Frau Jedermann

Die Schauspielerin Peta Klotzberg ist als Frau Jedermann zu sehen. „Die Symbolik und die Manifestierung menschlicher Systeme wie Mammon und Werte sind an dieser Erzählung spannend. Auch die mystische Komponente und Allgemeingültigkeit des Stückes. Die großen menschlichen Fragen nach ,dem guten Leben‘ und der Selbstverantwortung des Einzelnen. An meiner Figur interessiert mich ihre Wandlung, die Veränderung des Grundcharakters im Laufe der Geschehnisse.“ Für Peta Klotzberg ist es ein Stück mit Allgemeingültigkeit: „Das Stück stellt uns alle die Frage der Selbstevaluierung der eigenen Lebensführung.“ Sehr spannend findet sie auch die Geschlechterverschiebung: „Wie geht Frau Jedermann mit ihrem Buhler um? – Eine sehr schöne Herausforderung!“


Marianne Költringer, Zweites Fräulein

Marianne Költringer ist bei frauJEDERmann rundum im Einsatz – von der Organisation über mehrere Statistenrollen bis hin zum lebenslustigen Fräulein der Tischgesellschaft. „Es ist eine Rolle, die ich im Leben gar nicht bin. Andererseits: Die Tischgesellschaft, ein ausgelassenes Fest – dafür bin ich immer zu haben…“ Warum ist sie dabei? „Ich fand die Idee sehr super, den Jedermann dort aufzuführen, wo er entstand. Ich bin mit dem Platz hier sehr verbunden, da ich früher gleich unterhalb der Kirche gewohnt habe.“


Alex Kropf, Erstes Fräulein

Alex Kropf kümmert sich bei frauJEDERmann um die Kommunikation und um einiges in der Organisation, als eines der Partygirls bei der Tischgesellschaft steht sie auch auf der Bühne: „Meine Figur, das Erste Fräulein, ist schon eine Zimtzicke. Frau Jedermann mag sie eigentlich nicht und daher nützt sie die erstbeste Gelegenheit, etwas Grant loszuwerden. Allerdings hätte sie gerne mehr Aufmerksamkeit der männlichen Gäste, dafür ist sie sogar bereit zu singen…“


Elisabeth Lederer, Mammon

Elisabeth Lederer kommt als personifizierter Mammon auf die Bühne. „Die Rolle des Mammon im Jedermann stellt uns immer wieder vor die Frage, was es denn eigentlich ist, an dem wir hängen und wie wichtig wir unser Vermögen und unseren Besitz nehmen. Wie sehr lassen wir uns davon beeinflussen? Wie stark verändert es uns? Der schottische Historiker Thomas Carlyle hat festgestellt: ,Der Mammon ist wie das Feuer: der nützlichste Diener, der furchtbarste Herr.“ Und Elisabeth Lederer ist überzeugt: „Reich ist, wer viel hat, reicher ist, wer wenig braucht, am reichsten ist, wer viel gibt. Denn, um mit Goethe zu sprechen: ,Unter allen Besitzungen auf Erden ist die, ein Herz zu haben, die kostbarste.“ Auch frauJEDERmann wird damit konfrontiert werden.


Katja Lee, Werke

Katja Lee spielt die Werke, die bei frauJEDERmann als Person zu Wort kommen: „Die Werke sind die verkümmerte Seele der Frau Jedermann. In den Moment, in dem Frau Jedermann ihre Werke erkennt, findet sie auch wieder die Liebe zu sich selbst. Sie lässt ihre Oberflächlichkeit hinter sich und erkennt ihre inneren Werte, den Glauben und die Demut.“


Hayder-Saad, Regieteam

Hayder-Saad ist im Regie-Team von frauJEDERmann dabei. Er kommt aus dem Irak, wo er nach der Theaterakademie in Bagdad als Künstler tätig war. In Österreich war er in den letzten fünf Jahren bei rund 15 Projekten als Schauspieler oder Regisseur aktiv. Dem Jedermann, den in Österreich jeder kennt, nähert er sich mit einem unbeeinflussten Blick: „Als Künstler war es mir wichtig, einen neuen Zugang zum Stück zu finden – wir machen mit dem Original-Text modernes Theater. Ich finde es dabei sehr spannend, dass wir in zwei Gruppen arbeiten. Die Schauspieler bringen ihre eigene Stimme und ihr Gefühl in ihre Figur ein und interpretieren so die Rollen unterschiedlich. Das ist ein sehr spannender Prozess.“


Norbert Scheele, Hausvogt

Ein einmaliges Projekt: der Jedermann in Rodaun, neben dem Hoffmannsthal-Schlösschen. Da war mir klar, dass ich dabei sein werde“, sagt Norbert Scheele, der bei frauJEDERmann in der Rolle des Hausvogt zu sehen sein wird. Stets in der Nähe von Frau Jedermann hält der Hausvogt die Knechte beschäftigt und sorgt dafür, dass Aufgaben zuverlässig erledigt werden: „Auch wenn in diesem Fall alle Bemühungen umsonst sind, erfüllt er sie dennoch pflichtbewusst.“


Sascha Stefanakis, Buhler

Ein kleiner Twist schafft eine spannende Wendung: Bei frauJEDERmann ist eine Frau in der Hauptrolle zu sehen – und aus der Buhlerin wird ein Buhler. Sascha Stefanakis ist als charmanter Lebemann zu sehen. Für ihn ist der Buhler eine zwiespältige Figur: „Er fühlt sich zur Frau Jedermann hingezogen, will sich aber nicht auf ihre Sorgen einlassen, sondern ausgelassen das Fest feiern. Er macht ihr im Subtext Vorwürfe und wendet sich letztendlich von ihr ab.“


Roland Stumpf, Tod/Postbote

Roland Stumpf spielt mit dem Tod eine Schlüsselrolle des Stücks. „Der Tod ist eine Sache, die kommen wird, die wir ansonsten aber verdrängen. In Zeiten von Corona ist dies allerdings anders. Es ist eine Zeit, in dem wir uns mit dem Leid und dem Tod auseinandersetzen müssen.“ Roland Stumpf ist von der lebensumfassenden und universellen Aussage des Jedermann-Stoffes überzeugt. „Die Kernbotschaft ist: Wie sollst du leben, damit du dich am Ende gut und versöhnlich vom Leben verabschieden kannst?“ 


Sandra Szabo, Werke

Was haben wir in unserem Leben schon erreicht? Oft kommt es uns so wenig vor – und ist es dennoch nicht. Das zeigen auch Die Werke bei frauJEDERmann. Sandra Szabo findet diese Rolle sehr spannend: „Die Werke sind während der ganzen Aufführung auf der Bühne. Sie scheinen zunächst so schwach zu sein und dennoch sind sie schließlich ein wichtiger Teil von Frau Jedermann. Sie geben ihr den Impuls, sich selbst zu erkennen und zu neuer Selbstachtung zu finden.“


Kurt Tojner, Hausvogt

Kurt Tojner, vielen durch sein RODAUNer Bier bekannt, wird bei frauJEDERmann in der Rolle des Vogt zu sehen sein. Dienstbeflissen möchte er den Erwartungen der Frau Jedermann entsprechen, auch wenn ihn durchaus Zweifel befallen: „Der Vogt steht für den Zwiespalt zwischen Gefolgschaft und den eigenen Wünschen und Ängsten. Welcher Stimme folge ich? Dieses Abwägen spiegelt sich auch in unserem Leben wider.“


Susanne Zravy, Dünne Cousine

Susanne Zravy steht seit ihrer Kindheit das erste Mal wieder auf der Bühne – sie ist als die Dünne Cousine zu sehen: Die Dünne Cousine ist eine Frau, die eifersüchtig auf ihre erfolgreiche Cousine ist. Je schlechter es Frau Jedermann geht, desto mutiger und dreister wird sie. Ohne jedes Mitleid schaut sie dem Untergang zu.“

Frauenpower vor der Bergkirche – das Foto-Shooting

(Marcus Marschalek, 5. Juli 2021)

Das wir zu Ferienbeginn noch einen Termin zustande bekommen, an dem alle sechs FRAU JEDERMANN Darstellerinnen unseres großen Teams Zeit haben, grenzt an ein Wunder und ist Peta Klotzberg zu verdanken, die diesen Termin organisiert hat.

Aber warum haben wir sechs FRAU JEDERMANN Darstellerinnen? Der Jedermann steht eben für jede und jeden, keiner soll sich da ausnehmen. Der Stoff des „Jedermann“ geht uns alle an. Da aber über Jahrhunderte die Frauen immer bei den Männern mitgemeint waren, machen wir es nun in Rodaun konsequent anders. Bei uns spielen die Frauen und die Männer sind mitgemeint.

Aus dem reichen Herrn Jedermann, wird bei uns die geschäftstüchtige und erfolgreiche Frau Jedermann. Drei Schauspielerinnen geben von Szene zu Szenen die Rolle weiter und verleihen Jedermann unterschiedliche Facetten ihres Charakters. Und da wir, um ausfallssicher zu sein, jede Rolle doppelt besetzt haben, gibt es bei uns Jedermann in sechsfacher Ausführung. Geballte Frauenpower auf dem Rodauner Kirchenplatz!

It’s done – Vorpremiere ging über die Probenbühne

(Marcus Marschalek, 25. Juni 2021)

Das Lampenfieber spüren. Eine wichtige Erfahrung und der nächste Schritt in unserem Projekt. Als Aufführungsort wurde uns die Pfarrkirche in der Schreckgasse zur Verfügung gestellt. Mit ein paar kleinen Umbauarbeiten kann man aus dem Kirchenraum einen tollen Theatersaal machen. Etwas Stress haben wir dann bekommen, weil unsere Scheinwerfer leider nicht das gemacht haben, was sie hätten tun sollen. Also haben wir Freunde und Bekannte angerufen und Rat eingeholt.

Martin Cargnelli war dann, wie so oft, unser Retter! Mit seinen Kabeltestgeräten und DMX-Prüfern konnten wir zwei Fehler im Aufbau und ein kaputtes Kable finden. Das unkontrollierte Blinken und Zucken des Lichts hat damit ein Ende genommen. Allerdings blieb dann nicht mehr viel Zeit, die einzelnen Szenen schön durchzuprogrammieren. Einen ersten Eindruck, welche Kraft Licht hat, um Stimmungen auf der Bühne zu verstärken, haben wir aber dennoch bekommen.

Und dann war es auch schon so weit. Unser Vor-Premierenpublikum war da und gespannt auf das, was wir zeigen. Auch wir waren gespannt und aufgeregt. Jedes unserer zwei Teams hat einmal gespielt. Und es hat gut geklappt. Jetzt wissen wir, wir schaffen das! Günter Sadek-Sonnenberg hat für uns alles mitgefilmt und nun geht es an die Analyse. Auch haben wir viel Feedback von unserem kritischen Vor-Premierepublikum bekommen. Zwei Monate noch, dann ist es soweit, dann steht frauJEDERmann auf der Open-Air-Bühne vor der Rodauner Bergkirche.

Die erste Durchlaufprobe

(Marcus Marschalek, 20. Juni 2021)

Wir habe es geschafft und frauJEDERmann von Anfang bis Ende durchgespielt! Die erste Durchlaufprobe ist absolviert. Es sind bewegende Momente, wenn die Ideen plötzlich auf der Bühne sichtbar werden.

Susanne Zrzavy / DÜNNE COUSINE und Alice Zach / SCHULDNERS WEIB, Peta Klotzberg und Johanna Hoblik / FRAU JEDERMANN

Etwas mehr als zwei Stunden dauert ein Durchlauf. Dazwischen gibt es 30 Minuten Pause, bei der wir unser Publikum zur Tischgesellschaft der FRAU JEDERMANN einladen.

Annemarie Rammel (kleines Foto links) serviert als GEFOLGSCHAFT für die TISCHGESELLSCHAFT mit Stephanie Amsüss / DICKE COUSINE, Roland Stumpf und Eddy Schlager / GÄSTE. Marcus Marschalek (kleines Foto mitte) ist Teil des Regieteams. Christa Korlath spielt die ARME NACHBARIN (kleines Foto rechts). Eddy Schlager malträtiert als BEAMTER Gerhard Zach als ARMEN SCHULDNER.

Geprobt wurde im großen Turnsaal der Mittelschule St. Elisabeth, am vermutlich heißesten Wochenende im Jahr 2021. Doch wir waren tapfer und haben geschwitzt und alle Szenen in vollem Kostüm gespielt.

Stefanie Pauly / FRAU JEDERMANN und Katja Lee als GUTE WERKE.

Elisabeth Lederer als MAMMON

Wie ein Mosaik …

(Marcus Marschalek, 30. Mai)

Mehr als ein Jahr haben wir online geprobt oder uns nur in Kleinstgruppen getroffen. Szene für Szene wurde so erarbeitet. Der Blick über das Ganze fehlte aber. Nun aber war es endlich soweit. Erstmals haben wir an einem Probenwochenende die einzelnen Szenen zusammengesetzt. Wie in einem Mosaik, Steinchen für Steinchen, entsteht nun endlich aus den vielen Szenen ein Theaterstück. Erstmals haben wir in chronologischer Reihenfolge frauJEDERmann Kapitel für Kapitel durchgearbeitet.

Die Spannung war groß, ob die Teile zusammenpassen, ob Kulissen und Requisiten an den richtigen Orten auf der Bühne stehen, ob die Stimmungen der Schauspielerinnen und Schauspieler am Ende einer Szene zu den Stimmungen der Darstellerinnen und Darsteller am Anfang der nächsten Szene passen.

Soviel dürfen wir verraten: Es hat geklappt. Es gibt keine Hindernisse, die unüberwindbar wären. Für viele von uns war dieses Probenwochenende ein sehr erhebender Moment. Und obwohl wir alle täglich 12 Stunden FFP2 Maske tragen mussten und dadurch ein voller und langer Probentag noch anstrengender wurde, als er ohnehin schon ist, gehen wir dennoch mit mehr Energie auf die Aufführung zu, als wir noch vor diesem herausfordernden Wochenende hatte. frauJEDERmann wird etwas ganz besonderes, davon sind wir überzeugt!

Wir nehmen wieder Fahrt auf!

(Georg Fiala, 20. Februar 2021)

Im Projekt frauJEDERmann nehmen wir erneut Fahrt auf. Zunächst noch etwas unsicher, gewissermaßen in kleinen digitalen online Schritten. frauJEDERmann online? Proben wir tatsächlich noch dasselbe Stück wie vor Corona? Als hätte sich im letzten Jahr nichts, und zwar einen neuen Grund legend, verändert? Das reale Leben zum Schutz von Lebensjahren möglichst auf vier Wände beschränkend, maskenbewehrt, feiert jetzt die virtuelle Welt immer mächtiger Auftritte, wie es scheint. Und wir? Wollen wir, können wir realiter zurück auf unsere alte analoge Bühne? 

Von März 2020 bis Februar 2021 hat sich frauJEDERmann digitalisiert. Onlinemeetings, Onlineproben, Onlineparty!

Gesetzt den Fall, dass die einjährige Furcht bald „weggeimpft“ sein wird; welcher Zuschauer würde sich in diesem Fall, wie vor dem Fall noch, motiviert vor eine analoge Bühne ohne digitale Aufmachung setzen wollen? Noch ist es nicht mehr als eine schmale Hypothese; aber hat sich an unserer Zivilisation nicht innerhalb des letzten Jahres eine bahnbrechende Veränderung ereignet? Die wir erst in Analogie vom Sterben der reichen frauJEDERmann – im Spiel nun – neu zu verstehen lernen müssen? Und wenn ja, müsste diese Veränderung nicht auch unsere Inszenierung grundsätzlich neu herausfordern? 

Es ist zu früh, sogleich mit gut gemeinten Vorschlägen zu kommen. Dennoch sollten wir uns offen und eingehend darauf einlassen, wie das Geschehen der Pandemie in unserem Stück deutlicher Ausdruck finden könnte. Theater ist lebendig. Zeitgemäß und niemals unverändert von einer Aufführung zur nächsten, von einer Interpretation zur anderen, von der einer Rezeption zu einer weiteren. 

Katharina Sponner (DICKE COUSINE) bei einer Onlineprobe

Im klassischen antiken Theater gab es die innovative Vorrichtung des deus ex machina. Wenn es im Spiel auf der Bühne zu tragischen, ausweglosen Situationen kam, dann griffen (meist) Götter als Figuren unvorhersehbar ins Spiel ein, die mittels eines Kranes hinter den Bühnenbauten auf das Proszenium gehievt wurden. Um dem Geschehen eine gänzlich neue Wendung zu geben. 

In Analogie wäre es in unserem Stück der BOT, der „in den heiteren Himmel“ frauJEDERmanns wie ein deus ex machina einbricht, indem er sich zum TOD wandelt, wie ein unscheinbarer Virus in den alles vereinnahmenden Covid-19. Gehört nicht gar eine zusätzliche, allegorische Spielfigur COVID zu unserem Spiel vom Sterben? Als stummer Zeuge? COVID ikonisch und provokant: ein BOT? Kaum kommt der TOD auf der Bühne frauJEDERmann näher verliert sie ihren Atem. Sollte dieser Umstand nicht einen noch viel stärkeren Bezug in unserem Stück zur aktuellen Situation nehmen?

Vielleicht wären nur einige wenige inszenatorische Eingriffe notwendig, um diese Analogie zu verdeutlichen, OHNE deshalb am Text etwas verändern zu müssen – so unsere Prämisse. 

Zoom als Requisite

Das Theater eröffnet in streng reglementiert Zeiten, Zeiten der Unsicherheit und Zeiten des Umbruchs, mit Mitteln des freien Ausdrucks Handlungsmöglichkeiten, die Angst besänftigen und Mut wieder zurück bringen helfen. Vor Corona schien uns die Angst vor dem eigenen Tod kaum zu bedrängen; heute ist sie als „Angst vor der Seuche“ wie aus heiterem Himmel zurück und auch mitten in unsere Proben eingebrochen. 

Der Tod auf der Hofmannsthal’schen Bühne ist in Wirklichkeit nicht der Tod selbst, sondern unser aller Angst davor. Eine Bot-schaft für uns Angst-besetzte Empfänger, könnte man vereinfachend sagen. Wäre eine passende Antwort auf die Frage frauJEDERmanns, „was bist Du für ein Bot?“, in diesem Kontext vielleicht gar: „(ich) komm unsichtbar als Bot…Allein, FÜRCHTE mich wie den Tod! Ich BIN der Tod. Euer Tod..“

Auch kurzfristig werden wir gegebenenfalls reagieren müssen, indem wir (noch) in verschiedenen Inszenierungen denken. Die ursprüngliche mit voller Bühne, eine andere, in der etwa allein die allegorischen Figuren des Schauspiels GOTT, TOD, TEUFEL, MAMMON, GUTE WERKE und GLAUBE live und in körperlicher Präsenz – in virologisch freigegebener Distanz – auf der Bühne agieren. Und alle menschlichen Figuren wie aus dem Off zugeschaltet sind. Mit Projektionen ihrer Gesichter auf Leinwänden und Bildschirmen, quasi als belebendes Mienenspiel auf die Bühne projeziert , wie wir es in den jüngsten Zoom-Sitzungen bereits  erprobt haben. Oder eben frauJEDERmann als Singularität auf der Bühne in der Symbolik einer Art modernen, realen Echokammer. Das Stück lässt sich in vielerlei Spielarten ausführen und könnte so zudem zeigen, dass Theater niemals „entbehrlich“ sein darf. Unlängst war auf Plakaten in Wiens Straßen zu lesen: „Ohne Kunst sind Augen nichts als Sensoren für Licht!“ Füllen wir also unsere Sinne mit Lust am Spiel gleich welcher Umstände!

Georg Fiala betreibt auch einen eigenen Blog. Es lohnt sich dort hinzuschauen: http://georgfiala.blogspot.com/2021/

Stillstand und Lockdown

(Georg Fiala, 3. April 2020)

Ein winziger unscheinbarer DNA Strang, dessen einzige Funktion es ist, sich durch Reduplikation zu vermehren, legt die ganze Welt in Fesseln. Die uns bekannte, die uns vertraute Welt ändert soeben ihr Gesicht. Notstand allerorten. Kaum ein Lebensbaustein bleibt in diesem Augenblick unverändert…

Das Coronavirus verändert vieles.

Auch frauJEDERmann ist davon betroffen. Die Nerven liegen blank. Aber was könnte uns die aktuelle Krise mit dem Blick auf unser Projekt sagen? Was können andererseits wir mit unserem aktuellen „Theaterblick“ der Welt im Krisenmodus sagen? Erkenntnis geschieht stets im Betrachten und der daraus hervorgerufenen Wahrnehmung. Und hier sei gefragt: Geht es jedem Einzelnen von uns in dieser allmächtigen Krise nicht ein wenig so wie der frauJEDERmann als Hauptfigur unseres Theaterstücks? Wurde nicht auch uns vor wenigen Tagen das gewohnte Leben fast aus heiterem Himmel auf den Kopf gestellt? Nie hätten wir vorher allen Ernstes mit dieser Entwicklung gerechnet. Ganz wie für frauJEDERmann, als sich der TOD ohne vorherige „Anzeig“ zu Wort meldet.
Der Tod ist in diesem Moment in vielen Bildern und noch mehr Nachrichten und Statistiken mitten unter uns getreten.

"Ich will die ganze Welt abrennen
Und sie heimsuchen Gross und Klein,
Die dein Gesetz nit woll'n erkennen
Und unter das Vieh gefallen sein
Der sein Herz hat auf irdisch Gut geworfen,
Den will ich mit einem Streich treffen,
Dass seine Augen brechen
Und er nit findt die Himmelspforten",

sagt der vom POSTBOTEN beförderte TODesbote.

Ist es daher in dieser Situation weit gefehlt, an die Rolle des TODES aus unserem Stück zu denken? Der Gedanke drängt sich förmlich auf. Schliesslich gilt es als gesichert, dass der Coronavirus, der seit den 60er Jahren des 20. Jahrhundert bereits als Kandidat zur Urheberschaft von Pandemien zählt. Der in der aktuellen Mutation, wie in anderen Mutationen zuvor, sein gefährliches Potential entfaltet hat. „Ich komm halt schnell“.

Georg Fiala spielt den POSTBOTEN, der von GOTT als TOD berufen wird.

Noch deutlicher: wie wird man bei einer zeitnahen Aufführung beim TOD nicht an den Virus denken können? Ist die Betrachtung des Stücks für Publikum wie Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne eine andere als noch vor der Zeit des Virus? Auch dort geht es um Leben und Tod. Noch sind wir mitten in der Krise und können deren Ende mit allen Auswirkungen nur sehr schwer einschätzen. Bis September ist es noch weit und doch uns „allzu nah“.

In welcher Szene des Stücks befinden wir uns in unserer realen Welt? Vermutlich in der zentralen Sequenz, in der Szene TISCHGESELLSCHAFT. Wir, die Gesellschaft, die Politik, die Wirtschaft, die Experten, die Krankenversorgung – jeder Einzelne von uns ist paradoxerweise um diesen Tisch versammelt und doch auch wiederum nicht. Das Szenario wird täglich neu verhandelt, neu bewertet. Viele neue Ideen, gute wie schlechte, angebrachte und weniger angebrachte, poppen auf in unsere alles umspannende Medienwelt.

Die letzte Probe der TISCHGESELLSCHAFT vor den Lockdown in der Rodauner Werkerei.

Wie wütet der TOD in diesem Spiel? Wie ist es um des TEUFELs Beitrag bestellt? Wer von uns spielt die ARME NACHBARIN? Wer gerät am Ende in den Schuldturm? Wer bezahlt mit seinem Leben? An welchem Tisch sitzen die COUSINEN, welchen Rat erteilt der GESELL? Und MAMMON? Wird es, wie stets im Ausgang von Krisen, auch Nutzniesser geben, die von der Krise der anderen profitieren? Welche Rolle spielt der BUHLER? Was macht FRAU JEDERMANN, die Hugo von Hofmannsthal in Schüttelreimen scharf in den Blick nimmt? Die bis hierhin das Hohelied des Erfolgs singt und alle anderen in angemessener Sippenhaftung wähnt. Was macht das alles mit ihr?

Probe der TISCHGESELLSCHAFT in der Rodauner Werkerei: Noch ahnt hier niemand etwas gut gelaunt von dem nahenden TOD, der bereits am Bühnenrand wartet.

Selbst ein Allmächtiger liesse sich auf dieser Bühne der Allegorien ausmachen. Wer schwelgt derzeit in absoluter Handlungsvollmacht? Unser Blick fällt auf den Staat und seine Repräsentanten. Ausgestattet mit fast uneingeschränkter Machtfülle. Er teilt zu. Er schöpft aus der Fülle. Er steht als Garant dafür, dass wir gemeinsam gut durch diese Zeit kommen. Ist er letzten Endes ein barmherziger, milder, liebender Gott? Ein strafender? Wir dürften es in Bälde erleben.

Es ist kein Spiel mehr. „Nun ist Geselligkeit am End“. Wer jetzt Angst verspürt, verspürt diese Angst zu Recht. Wer jetzt hamstert, hamstert ebenso zu Recht. Wer jetzt allein ist, muss es länger wohl noch bleiben. Wenn dieser Albtraum zu Ende ist, wird in der bekannten Welt wieder einmal alles anders sein als zuvor.

Und doch stimmt dieser Blick nicht uneingeschränkt!

Recht haben wir alle. Selbst – welch ein Glück! – diejenigen unter uns, die weiterhin davon ausgehen, dass sich unser Schicksal alsbald wieder zum Guten wandelt und sich eben doch nicht erschöpft. Diejenigen, die in dieser spektakulären Zeit den Tod nicht scheuen. FRAU JEDERMANN gibt den Ton an: „Was bist Du für ein Bot?… Ausgesandt nach mir? Dem möchte wohl so sein. Ei ja!“ Sie bleibt widerständig. Und kreativ im Verhandeln. „Nur diese Nacht bis Sonnenaufgehn. Dass ich mit Reu mög in mich gehn…“

Roland Stumpf bei Probenarbeiten für frauJEDERmann.

Roland Stumpf als TOD bei einer Probe in der Rodauner Werkerei noch vor dem Lockdown.

Denn der nahe Tod – schauen wir, ein jeder in seiner partikularen Rationalität, doch genau hin –  wird für die überwiegende Mehrheit Aufschub gewähren. Noch sind wir nicht so weit. Noch müssen wir, nein, dürfen und sollten wir weiterhin davon träumen, ein Stück Theater auf die Bühne zu zaubern, das aus unserer Geselligkeit heraus, mit unserem Wohlgefallen füreinander und in Anbetracht unseres Lebensmuts auch diese Krise meistern wird. Nicht der Tod wird das Ende dominieren, sondern der Wille und die Kraft zum Leben. Nach der Krise dürfen wir wieder feiern. Sammeln wir alle Kräfte dafür!

Wünschen wir uns, dass wir bald wieder zusammen kommen können und dass uns – jedem von uns – Gesundheit weiterhin vergönnt bleibt!
Der TOD darf ruhig warten – „Bleib du nur stehn ein Weilchen hier“, selbst wenn er uns beständig hinterher rufen möchte: „Bin immer da, Euch allzu nah“. Wir hören ihn, aber wir leben. Könnte nicht dies „die Lehr vom Inhalt des kostbaren Spiels“ sein, die uns der POSTBOTE in seinem Brief frei Haus zustellt? 

„Dahinter aber liegt noch viel!“

Tod: „Dahinter aber liegt noch viel“

(Georg Fiala, 6. März 2020)

Es ist schon absurd. Da hat FRAU JEDERMANN mit all ihrer Energie ein wohlfeiles Leben geführt, in einer Zeit, die geprägt ist von den Früchten eines langen relativen Friedens und einem damit einhergehenden industriellen Wohlstand. Sie hat den ihren Erfolg begleitenden Absturz ehemals Gleichgestellter ins Lumpenproletariat zu einer Ideologie von der Unschuld des Geldes umdeuten gelernt, den eigenen Wohlstand, erwachsen aus erfolgreicher Spekulation, als Resultat ihrer eigenen Tüchtigkeit sehen wollen. Aber sie treibt, und sie spürt es überdeutlich, ein schlechtes Gewissen aus der realen Welt heraus, hinein in die Phantasien eines romantischen Lustgartens, hinein in die Arme ewig jugendlicher Liebe und ausschweifende Geselligkeit.

Roland Stumpf als TOD, der die Tafel der Tischgesellschaft abräumt. Probenarbeiten im Februar 2020 in der Rodauner Werkerei. Der TOD wird anfangs in seiner Rolle nicht ernst genommen und erkannt. Das macht ihn wütend.

Und jetzt kommt ein BOTE daher und will sie aus diesem Paradies vertreiben. Fordert gar Rechenschaft von ihr und droht mit dem Tod! Was für eine Anmaßung! Sie begegnet dieser unheilvollen Botschaft mit aller Hingabe. Abwehrend, trotzig, mit Mut und Verhandlungsgeschick bietet sie alles auf, was greifbar ist. 

Sie wird scheitern. Der Widerstand ihrer Seele gegen die Kränkung der Vergänglichkeit ist zwar nicht ganz so libidinös getrieben wie die eines Don Giovanni. Aber ebenso resolut und aufbegehrend. Wie die Zusammenhänge wirklich sind, entzieht sich vordergründig dem (Selbst)Bewusstsein, wirkt dennoch stetig und nach – „dahinter aber liegt noch viel“. Jedenfalls gelingt es FRAU JEDERMANN in aller Bedrängnis ihr Herz zu öffnen und den Zugang zu ihren wahren Gefühlen abseits aller Ideologien, ihrem Unbewussten freizulegen. 

FRAU JEDERMANN in der Doppelbesetzung mit Stephanie Pauly und Christina Kohlross stehen Roland Stumpf als TOD gegenüber. „Ganz und gar bin ich unbereit“, sagt FRAU JEDERMANN.

FRAU JEDERMANN entdeckt dabei eine neue Welt, von der sie bis dahin zwar ahnte, dass es die auch irgendwie geben muss, die sie aufgrund anderer, scheinbar viel wichtiger „Beschäftigungen“ bei sich selbst nie zulassen wollte. Es ist die Welt des Gemeinsamen, der Empathie, wahrer und unverstellter Liebe zum Nächsten, zum Mitmenschen. Um diese neue Welt sich selbst zu erschließen war es notwendig aus ihrer alten Welt quasi „wegzusterben“, damit ihre Aufmerksamkeit sich einer gewandelten Wahrnehmung zuwenden kann.

Es ist diese unbändige, thymotische Kraft und die Unbestechlichkeit im Wesen FRAU JEDERMANN, die eine heilbringende Botschaft für den Betrachter des Schauspiels sein könnte. Im Scheitern, im Sterben ihrer „alten“ Natur wird ein neues Selbst geboren, in dem GLAUBE an eine ausgewogene Zukunft und WERKE zum Wohle aller eine Heimat finden können. So, denke ich, wäre das Sterben FRAU JEDERMANNS erfahrbar als Ja zum Leben. Soll sie in unserer Interpretation durch einen TODder als Henker auftritt gerichtet werden? Statt mögliches neues Leben doch nur Tod?

Georg Fiala als TOD und Teil des Regieteams.

Wo bliebe bei unserem Spiel die Hoffnung auf das Unerwartbare? In unserer Interpretation spiegeln wir unserem Publikum nur die Sinnlosigkeit allen menschlichen Bemühens vor Augen; so jedenfalls könnte der Ausgang unseres Stücks verstanden werden. Die Höhen des künstlerischen Schaffens Hofmannsthals, von dem Denken seiner Zeit noch getragen, werden hier der Endgültigkeit menschlicher Erkenntnis aufgeopfert. So wie es – historisch betrachtet – stets geschieht, wenn sich der Mensch als Zeitgeber von Leben und Tod aufschwingt. Es ist wahrlich ein himmelweiter Unterschied auf der Bühne zwischen der Androhung des Todes und dessen Vollzug.

FRAU JEDERMANN Christina Kohlross und TOD Roland Stumpf proben die erste Begegnung zwischen den beiden Figuren. Bei frauJEDERmann wandelt sich der (POST)BOTE dem Auftrag GOTTES folgend zum TOD(ESBOTEN). Eine Rolle die er erst finden, entdecken und ausfüllen muss.

Ein Todesstoss auf der Bühne stünde für diese Symbolik. Im Zentrum abendländischer Kultur sollten als Leidtragende gerade wir sensibilisiert sein, nach all den wirkmächtigen Opfern vergangener Jahrhunderte.
Geben wir unserem Stück doch wieder etwas Luft zum Atmen. Statt (hin)gerichtet zu werden auf dem Leichenwagerl menschlichen Maßes, sollte frauJEDERmann für Ihren Mut und ihrer Hingabe drohender Endlichkeit Widerstand zu bieten, belohnt werden und Himmelspforten gerade für Lebenskraft wie der ihren offen stehen. 
Es sind in der Tat nur wenige Schritte bis zum Tempel Gottes. Auch auf unserer Bühne. Ohne Opfer allerdings findet nichts und niemand Zugang – „und sie nit finden die Himmelspforten – es sei denn‘?“ Die Antwort auf diese Frage Gottes kann nur lauten: in einem persönlichen Opfer, wie es uns bereits seit der Zeitenwende als ewiger Spiegel vorgehalten wird. Aber wer von UNS wäre schon bereit dort hinein zu blicken, wenn nicht ausgerechnet FRAU JEDERMANN?
Nichts anderes kann ein wirklich barmherziger Gott wollen. Oder es gibt ihn tatsächlich nicht. Quod erat demonstrandum. Mit welcher Absicht sollte GOTT den Menschen sonst Todesengel zur Seite stellen wollen?

Es braucht lediglich wenige dramaturgische Änderungen, um die Hoffnung auf eine Stunde Aufschub nicht sterben zu lassen. Es wäre doch im Stück bereits alles notwendige gesagt; soll doch jeder einzelne Zuschauer nach Hause gehen und für sich das passende Ende finden…